Reservierungen bis:12/02/2017 17:00
Datum:12/02/2017 17:00

Russische Romantik

Ein Streifzug durch die russische Kammermusik von der Zarenzeit bis in die moderne Sowjetunion


Marian Rosenfeld, Klavier; Anna Zimmermann, Flöte; Bernhard Röthlisberger, Klarinette; Florian Abächerli, Horn; Vera Röthlisberger, Fagott

 

Werke:

Michail Glinka: Trio pathétique für Klarinette, Fagott und Klavier

Reinhold Glière: Romance op. 35 Nr. 6

Dmitri Schostakowitsch: Walzer für Flöte, Klarinette und Klavier

Nikolai Rimski-Korsakow: Quintett B-Dur

 

Mit Russischer Romantik verbindet man in erster Linie grosse Klavier- und Geigenkonzerte sowie üppige Sinfonik. Blasinstrumente verleihen den Orchesterwerken von Tschaikowski und Rachmaninow zwar oft ihre ganz spezifisch russische Farbe, hingegen kamen sie in der Kammermusik kaum zum Zug. Grund genug, ein Programm mit vier russischen Raritäten für Bläser zusammenzustellen.

Michail Glinka, der Vater der russischen Musik, hat zwar nur wenig Kammermusik geschrieben. Nach “jugendlichen Versuchen” entstand später eine zweite Gruppe von reifen Werken, die während seines fast dreijährigen Italien-Aufenthaltes 1830-1833 entstanden: zwei Divertissements über Opernthemen, ein Klaviersextett uns das Trio pathétique. Fast täglich besuchte er in Mailand die Opernaufführungen in der Scala, fand Zugang zu den Mailänder Theaterzirkeln und freundete sich schließlich mit Vincenzo Bellini, dem “romantischsten” der italienischen Bel Canto-Komponisten, an. Von dem Eindruck, den Bellinis Melodik bei ihm hinterliess, zeugt im Trio pathétique vor allem die Klarinettenkantilene des langsamen Satzes. Ansonsten geht das d-Moll-Trio in der eigenwilligen Besetzung mit Klarinette, Fagott und Klavier noch weit über das Pathos der italienischen Oper hinaus. Die Bläser des Scala-Orchesters, die im Herbst 1833 gemeinsam mit dem Komponisten am Klavier die Uraufführung spielten, sollen ausgerufen haben: “ma questo è disperazione (welch eine Verzweiflung)!“ Es ist in klassischer Viersätzigkeit angelegt, allerdings in sehr knappen Proportionen. Das Allegro in Sonatenform, das Vivacissimo-Scherzo mit Trio und das Largo gehen praktisch ineinander über, während das Finale deren Themen zusammenfasst und zu einem majestätischen Ausklang führt.

Reinhold Glière wurde in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine, geboren, damals Teil des Russischen Reichs. Er war der zweite Sohn des aus Klingenthal im Vogtland nach Kiew gezogenen Blasinstrumentenmachers Ernst Moritz Glier. In Glières Geburtsurkunde steht Reinhold Ernest Glier. Gegen 1900 änderte er die Schreibweise und die Aussprache seines Familiennamens um in Glière, woraus das hartnäckige Gerücht resultierte, dass er belgischer oder französischer Abstammung sei. Nach Studien am Moskauer Konservatorium und einem erfolgreichen Start in die Musikerlaufbahn wurde er 1914 zum Direktor des Konservatoriums von Kiew berufen, bevor er von 1920 bis 1941 Komposition am Moskauer Konservatorium unterrichtete. Viele seiner Schüler, zu denen Nikolai Mjaskowski und Sergei Prokofjew gehörten, entwickelten sich zu namhaften Komponisten. Glière war in der Sowjetunion eine hoch angesehene Persönlichkeit und erhielt etliche Orden und Auszeichnungen. Er war Volkskünstler der UdSSR und ihrer Sowjetrepubliken Russland, Aserbaidschan und Usbekistan. Auch erhielt er dreimal den Stalinpreis (1946, 1948, 1950) und wurde 1941 zum Doktor der Kulturwissenschaften ernannt. Insgesamt muss Glière als äusserst traditionsverbundener Komponist angesehen werden. Auch seine letzten Werke sprechen – ungerührt von allen musikalischen Umwälzungen der vergangenen Jahrzehnte – noch die kaum abgeänderte Sprache der russischen Nationalromantik.

Dmitri Schostakowitsch ist in erster Linie als grosser Sinfoniker bekannt, der in seinen oft düsteren Werken die schwierigen Zeiten zur Zeit der Sowjetunion kritisch reflektierte. Weniger kennt man seine „leichte“ Seite. Er schrieb verschiedene Filmmusiken, Jazz- und Tanzsuiten. Auch seine Walzer entstammen aus Tanz-Suiten und Filmmusiken (Maxims Rückkehr / Die Hornisse), zu hören in einer Instrumentierung von Lewon Atowmjan.

Nikolai Rimksi-Korsakow hat die Entstehung seines Quintetts für Klavier und Bläser in seiner Autobiographie ausführlich geschildert: “1876 schrieb die Russische Musikalische Gesellschaft einen Preis für ein Kammermusikwerk aus. Ich verspürte Sehnsucht, etwas für diesen Wettbewerb zu schreiben… Das Schicksal des Werkes war folgendes: Die Jury zeichnete ein Trio von Naprawnik aus und fand mein Sextett (mit Streicher) einer lobenden Erwähnung wert, während sie mein Quintett wie auch die anderen eingereichten Werke völlig ignorierte. Man sagt, mein Quintett sei in die Hände eines unfähigen Blattspielers gefallen, der ein solches Fiasko daraus gemacht hatte, das man es noch nicht einmal bis zu Ende angehört hatte. Hätte es mehr Glück mit dem Ausführenden gehabt, wäre es mit Sicherheit der Aufmerksamkeit der Jury nicht entgangen. Sein Fiasko beim Wettbewerb war unverdient, denn es fand großen Beifall, als es wenig später in der St. Petersburger Kammermusik-Gesellschaft von Y. Goldstein gespielt wurde.“ Die dreisätzige Form des Werkes beschrieb der Komponist in lakonischen Worten: der erste Satz sei “im klassischen Stil Beethovens” geschrieben, was sowohl für die Themen als auch für die klare Sonatenform gilt. Am zentralen Andante hob er das “ziemlich gute Fugato für die Bläser mit freier Klavierbegleitung” hervor; umrahmt wird diese Episode von zwei Andante-Abschnitten im Balladenton, die das Horn jeweils mit einem langen Thema eröffnet. Das Thema des abschliessenden Rondos wird stets von den gleichen, witzigen Fagottoktaven eingeleitet. Rimski-Korsakow hat daraus vor der Rückleitung zur Reprise eine “interessante Passage” gewonnen: Kadenzen für Horn, Flöte, Klarinette und Klavier, die jeweils von den Fagottoktaven unterbrochen werden. Typisch für die Ambitioniertheit des Wettbewerbsteilnehmers sind auch in diesem Satz die häufigen fugierten Abschnitte.

 

 Marian Rosenfeld

Marian Rosenfeld studierte bei Vitalij Margulis sowie Bruno Canino und besuchte Meisterkurse mit György Kurtág, András Schiff und Radu Lupu.   Am Eurovisionswettbewerb in Kopenhagen 1986 errang sie den 2. Preis, weitere Auszeichnungen am Int. Wettbewerb der ARD und am Int. Schumann-Wettbewerb Zwickau folgten. Als Solistin, Kammermusikerin sowie mit dem Klavierduo Gagliano-Rosenfeld trat sie in Wien, London, Berlin, Salzburg und Prag auf, arbeitete mit dem Mozarteum Orchester Salzburg oder dem Münchner Kammerorchester sowie mit Dirigenten wie Horst Stein, Hans Graf und Franz Welser-Möst. Aufnahmen bei zahlreichen europäischen Fernseh-und Rundfunkanstalten ergänzen ihre Konzerttätigkeit.

www.marian-rosenfeld.ch

 

Anna Zimmermann 

Anna Zimmermann wurde in Berlin geboren. Ihren ersten Flötenunterricht erhielt sie im Alter von elf Jahren von Antje Roske. Von 2002 bis 2007 studierte sie an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar bei Prof. Wally Hase und schloss ihr Studium mit „sehr gut“ ab. Als Thyll-Stipendiatin nahm Anna Zimmerman an einem Auslandsstudium in Lyon teil wo sie in der Klasse von Prof. Philippe Bernold neue Impulse bekam. Orchestererfahrungen sammelte sie unter anderem in der Jungen Münchner Philharmonie, der Jungen Deutschen Philharmonie und als Substitutin der Staatskapelle Weimar. Sie ist Preisträgerin des internationalen Wettbewerbs für „Verfemte Musik“. An Meisterkursen, u.a. bei Prof. Jean-Claude Gérard, Prof. Peter-Lukas Graf, Prof. Jeanne Baxtresser und Prof. Andrea Lieberknecht nahm sie aktiv teil. Bevor sie ein Engagement beim Berner Symphonieorchester bekam, war Anna Zimmermann 9 Jahre Solopiccolistin der Augsburger Philharmoniker. Neben ihrer Orchestertätigkeit unterrichtet sie an der Hochschule für Musik Nürnberg.

 

Bernhard Röthlisberger

Bernhard Röthlisberger ist Soloklarinettist und Bassklarinettist des Berner Symphonieorchesters und unterrichtet an den Musikhochschulen Zürich und Bern. Höhepunkte der letzten Saisons waren Auftritte mit Hélène Grimaud, Sabine Meyer, Kit Armstrong oder die Aufnahme von Schoecks Bassklarinetten-Konzert mit dem BSO unter Mario Venzago. Als Solist trat er mit international renommierten Dirigenten wie Jonathan Nott, Reinhard Goebel, Vasily Petrenko, John Neschling oder Mario Venzago auf. Zu seinen Kammermusikpartnern zählen das Amar Quartett, das Merel Quartett, Esther Hoppe, Maximilian Hornung, Rafael Rosenfeld, Peter Somodari, Ivo Gass, Matthias Racz oder die Pianisten Benjamin Engeli und Christian Chamorel. Seine CD-Aufnahmen für Gallo, pan classics, Claves und Musiques Suisses erhielten wiederholt Bestnoten von der Fachpresse. Bernhard Röthlisberger ist künstlerischer Leiter der Internationalen Meisterkurse Rheinau.

www.clarinet.ch

 

Florian Abächerli

Florian Abächerli studierte nach einer Polymechanikerlehre im Helikopterunterhalt an der Hochschule Luzern - Musik bei Lukas Christinat und an der Zürcher Hochschule der Künste bei Radovan Vlatkovic und Mischa Greull. Er ist stellvertretender Solohornist im Luzerner Sinfonieorchester und Solohornist im 21st Century Symphony Orchestra. Naturhornstudien an der Scola Cantorum Basiliensis bei Thomas Müller. Als gefragter Orchester- und Kammermusiker spielt er oft im Tonhalle Orchester Zürich oder bei den Kammersolisten Zug. Zudem hat er die letzten Konzerte von Claudio Abbado im Lucerne Festival Orchestra gespielt und ist auch Mitglied des Lucerne Festival Orchestra Brass. Als Solist trat er unter anderem mit dem Luzerner Sinfonieorchester, dem Musikkollegium Winterthur, der Philharmonie Baden-Baden und den Orchestervereinen Ob- und Nidwalden auf. Er ist Gründungsmitglied der Horngruppe Obwalden.

www.brassmafia.ch

 

Vera Röthlisberger

Vera Röthlisberger genoss als Kind Blockflöten- und Geigenunterricht, bevor sie mit 25 Jahren die Liebe zum Fagott entdeckte. Die Begeisterung für die warmen, tiefen Klänge war so stark, dass sie sich einige Jahre später entschloss, das Fagottspiel zu ihrem Beruf zu machen. Sie erwarb berufsbegleitend das Lehrdiplom SAMP bei Marc Kilchenmann. Es folgten weitere Studien bei Urs Dengler, Artan Hürsever, David Schneebeli und Meisterkurse bei Matthias Racz.  Heute unterrichtet sie an mehreren Musikschulen in den Kantonen Luzern, Bern und Solothurn.
Als passionierte Kammermusikerin gibt sie Konzerte in ganz unterschiedlichen Formationen vom Trio bis zum Oktett. Sie ist Mitglied des „Bläserensemble Seetal“ und den „Solistes de Berne“ und spielt regelmässig in verschiedenen Orchestern mit.

www.veraroe.ch

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